Im Gespräch mit Hiltrud Zock

von Jochen Leuf

Mit Buch zu Besuch - OB Kandidat Dr. Fred Konrad
Kulturkarawane:
Frau Zock, welches Buch haben Sie für unser Tauschregal mitgebracht?
 
Hiltrud Zock:
Das „Trierische Wörterbuch“ von Johannes Kolz und Piet Zender. Das ist ein wunderschönes Buch und ein großartiger Botschafter für Trier. Die Illustrationen verleiten jeden zum Schmunzeln. Es finden sich herrliche Übersetzungen, die das Trierisch so liebenswert machen und die Verbindung von Bild- und Wortsprache ist unglaublich gelungen. Übrigens sammle ich seit über 20 Jahren signierte Erstausgaben von Büchern. Deswegen bin ich ganz besonders stolz auf dieses Buch und hoffe, dass es im Büchertauschregal einen stolzen Nachfolger findet.
 
Kulturkarawane:
Folgendes liest man auf Ihrer Homepage: "Das römische Erbe ist gut für die touristische Bewerbung, da geht aber mehr.“ Erzählen Sie uns doch mal was aus Ihrer Sicht in Trier passiert, und was denn das „Mehr“ überhaupt ist?
 
Hiltrud Zock:
Wichtig ist es, dass wir uns auf der einen Seite unserem Alleinstellungsmerkmal bewusst sind. Wir sind die älteste Stadt Deutschlands und haben ein sehr schönes und wichtiges römisches Erbe. Das gehört für mich auch primär in die touristische Kommunikation, das ist für uns eine gute Quelle der Wertschöpfung in diesem touristischem Bereich. Wir leben aber auch in dieser römischen Stadt. Und deshalb möchte ich gerne das fortsetzen, was Prof. Kluge verfasst hat: „Geschichte in die Zukunft denken“. Ich möchte noch mehr daraus machen, nämlich Geschichte in die Zukunft leben.“
Geschichtliches Bewusstsein ja, aber auf der anderen Seite muss ich im Miteinander der Generationen einen Lebensraum schaffen, der uns nach vorne bringt. Dazu gehört bei 25000 Studierenden ein kostenloses W-lan in der Innenstadt genauso dazu, wie zum Beispiel ein Open Air Kino vor römischer Kulisse. Die Kombination aus verschiedenen Elementen macht den Reiz aus.
 
Kulturkarawane:
Und das ist bisher noch nicht ausreichend passiert?
 
Hiltrud Zock:
Da geht mehr, da geht viel mehr. Ich sehe die Aufgabe des Oberbürgermeisters darin, auch Initiativen, die von Bürgern kommen, zu unterstützen und zu fördern. Ein tolles Beispiel ist das kleine Volkstheater. Da wurde die Porta Nigra mit einem nie da gewesenen Lichtspektakel inszeniert. Natürlich braucht man Geld, um eine solche Illumination zu finanzieren. Mit großem persönlichem Engagement konnte das Preisniveau auf einem vernünftigen Level gehalten werden. Da fällt es mir dann auch leicht, Sponsoren zu finden und zu einem gemeinsamen Gelingen beizutragen. Ideen müssen in eigenverantwortlicher Form umgesetzt werden und bedürfen der Wertschätzung aus dem Rathaus. Kein Hürdenlauf, sondern eine klare Bekenntnis: Da ist jemand engagiert und verdient unsere Unterstützung. Wenn es uns dann gelingt, mit solchen Aktionen ein Lächeln auf die Gesichter von Besuchern und Bürgern zu zaubern, bin ich glücklich.
 
Kulturkarawane:
Wenn mehr geht, scheint es ja bisher Hindernisse gegeben zu haben, warum nicht mehr ging. Was ist denn das?
 
Hiltrud Zock:
Unsere Stadt braucht einen Oberbürgermeister mit Gestaltungskraft, guten Ideen und Kreativität.
Es ist ja oft auch kein böser Wille dahinter, sondern eher Unkenntnis. Mein Vorteil ist es, bereits seit 30 Jahren in der Kulturszene in Trier aktiv zu sein, sowohl haupt- als auch ehrenamtlich. Da ist es einfacher, Synergien zu erkennen, zu verstetigen und auf den richtigen Weg zu führen.
 
Kulturkarawane:
Sie sind gebürtige Triererin und nutzen diesen Aspekt auch als zentrales Wahlkampfthema. Ist denn nicht jemand, der von außerhalb kommt, besser dazu in der Lage, sich ein objektives Bild zur politischen „Jetzt-Situation“ zu machen, und daraufhin zu handeln?
 
Hiltrud Zock:
Wir können das am einfachen Beispiel der „Elefant-Parade“ festmachen. Von außen kann man sehen, dass es eine schöne Aktion ist. Aber es wird von außen nicht gelingen, die Kräfte zu mobilisieren, die ein solches Projekt erfordert. Man muss wissen, wer sind die handelnden Akteure, man muss ein Grundverständnis haben, wie man Kultur und Wirtschaft miteinander verbindet. Zum Vorteil aller Beteiligten. Wenn ich mit genug Geld von außen komme, kann ich die Arbeit auch gut
machen, aber wenn die Kassen leer sind, müssen andere Kräfte mobilisiert werden.
Bei mir wird nicht nur geredet, ich stehe auch um sechs Uhr auf um mit anzupacken, wenn 120 Zelte bei „Trier spielt“ aufgebaut werden und weiß wo jede Steckdose im öffentlichen Raum ist.
Deswegen glaube ich, auch ein gesundes Gefühl für die Machbarkeit von Projekten mitzubringen.
 
Kulturkarawane:
Werden denn in den kommenden Jahren aus dem klammen Stadtsäcklein mehr Subventionen für die freie Szene abfallen?
 
Hiltrud Zock:
Ich glaube, es gibt da keinen Schlüssel, der in Stein gemeisselt ist. Es hängt ja auch davon ab, welche Fördergelder wir auf Länderebene generieren können.
Für sehr wichtig halte ich auch die Synergie zwischen Kultur- und Wirtschaftspolitik.
Gerade für die freie Szene gibt es ein immens großes Potential, auch die freie Wirtschaft mit einzubinden. Wir reden über aktive Partnerschaft, nicht über das klassische Sponsoring, dass einfach das Logo auf ein Plakat drauf kommt. Wenn ich Zusammenarbeit und Kooperation verstetige, dann bringt das der freien Szene auch eine andere Planungssicherheit. Zum Beispiel können wir Kooperationen mit dem Seniorenbereich aufbauen. Warum nicht mit dem Seniorenrat kooperieren, um bei einer Ausstellung die Öffnungszeiten zu gewährleisten.
Es gibt eine ganz andere Tiefe der Möglichkeiten als finanzielle Förderungen. Da ist es gut, wenn man die Möglichkeiten kennt.
 
Kulturkarawane:
Angenommen, Sie werden Oberbürgermeisterin. Wie sieht denn die administrative Stelle aus, die eine Verbindung zwischen Kulturinitiativen und der Wirtschaft fördern könnte?
 
Hiltrud Zock:
Also die wichtigste Kraft wird die neu formierte TTM sein. Da erfolgt jetzt die Analyse der „Ist“ Situation. Wo will ich mit der Stadt Trier überhaupt hin? Und diesem Leitbild entsprechend müssen Kräfte gebündelt werden. Wir verbinden den Bereich Kultur mit dem Bereich Tourismus und dem Bereich Wirtschaft. Das wird mit Sicherheit auch eine wichtige, zentrale Aufgabe als Oberbürgermeisterin sein. Da habe ich mit dem Stadtmarketing - nicht als Werbe- sondern als Führungsinstrument – die Möglichkeit zu kommunizieren, was ich als Stadt an Lebensqualität darstellen möchte. Es ist die Aufgabe des Oberbürgermeisters, diese Struktur leistungs- und aufgabenbezogen zu optimieren. Das geht bis an den Zuschnitt der Dezernate, wo Aufgaben ein bisschen zügiger und an manchen Stellen auch ein bisschen zeitgemäßer statt finden könnten. Für mich ist auch das Informationsmanagement noch nicht so aufgestellt, wie es zielführend ist. Das geht auch einfacher, wenn man sich mehr in die neuen Medien einbringt.
Kulturkarawane:
Münster ist Studenten- und Fahrradstadt, Berlin ist Mekka.... und Trier ist?
 
Hiltrud Zock:
...in der Stadt Trier wird Zukunft in die Geschichte gelebt.
 
Kulturkarawane:
Sie werden Bürgermeisterin und Ihre erste Legislaturperiode geht zu Ende. Wir schauen gemeinsam auf das Trier unter Ihrer Gestaltung. Was sehen wir im Kunst – und Kulturbereich?
 
Hiltrud Zock:
Wir werden mit Sicherheit eine Bildungs- und Kulturszene haben, die noch enger miteinander verbunden ist und noch mehr gemeinsam auf die Beine gestellt hat. Eine Bildungs- und Kulturszene, die auch im Zusammenspiel mit der Wirtschaft eine neue Triebkraft gewonnen hat. Die das auch in ganz anderen Strukturen einsetzt. Wir kommen weg vom zentralen Bespielen einzelner Häuser, hin in ein dezentrales Kulturleben. Wir aktivieren die Kasino Bühne am Kornmarkt. Solche Dinge geschehen dann, wenn treibende Kräfte zusammen kommen. Genau das werden wir verstetigen können. Ich sehe weniger Gebundenheit an die einzelnen Häuser und Institutionen und viel mehr Kraft durch ein Miteinander. Ziel ist es, dass in acht Jahren jeder der bereit ist, etwas für diese Stadt zu tun im Rathaus anrufen kann und ein offenes Ohr findet.
 
Kulturkarawane:
Herzlichen Dank für dieses spannende Gespräch! Erinnern Sie sich noch an die erste Liebe und den Ja/Nein/Vielleicht Zettel? Vielleicht wollen wir ja mit Ihnen durch die nächste Legislaturperiode gehen. Allerdings hätten wir da noch ein paar Fragen:
Werden Sie als Oberbürgermeisterin die freie Kunst- und Kulturszene gleichberechtigt zu den etablierten Institutionen unterstützen und fördern?
 
Hiltrud Zock:
Ja
 
Kulturkarawane:
Werden Sie als Oberbürgermeisterin aktiv für eine Subventionierung von ernsthaften und nachhaltigen Kulturkonzepten der freien Szene eintreten?
 
Hiltrud Zock:
Wer würde denn da nein sagen, ja natürlich!
 
Kulturkarawane:
Werden Sie sich als Bürgermeister aktiv dafür einsetzen, die freie Szene stärker im Innen- und Außenmarketing der Stadt Trier zu positionieren?
 
Hiltrud Zock:
Ja
 
Kulturkarawane:
Wird Trier in Ihrer Legislaturperiode von der Stadt um die Porta auch wieder zur Stadt am Fluss werden?
 
Hiltrud Zock:
Ja

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