Im Gespräch mit Dr. Fred Konrad

von Jochen Leuf

Mit Buch zu Besuch - OB Kandidat Dr. Fred Konrad

Kulturkarawane:

Herr Dr. Konrad, herzlich Willkommen am Urban Place im schönen Trier Süd. Was für ein Buch haben Sie uns denn für unser Büchertauschregal mitgebracht?

Dr. Fred Konrad:

Ich habe wirklich überlegen müssen. Leider habe ich momentan viel zu wenig Zeit zum Lesen. Deswegen stapeln sich auf meinem Nachttisch schnell die ungelesenen Bücher. Besonders gefallen hat mir aber die „Maske“ von Siegfried Lenz. Die Kurzgeschichten sind sehr schön und sprachlich sehr feinfühlig erzählt. Ich mag die überraschenden Wandlungen und die vielfältigen Charaktere die Lenz erschafft. Und eine Kurzgeschichte ist für jemanden wie mich genau das richtige Format. Meist schaffe ich ohnehin nur ein paar Seiten bevor ich nach einem langen Arbeitstag einschlafe.

Kulturkarawane:

Herzlichen Dank! Wir sind gespannt ob ihr Buch ein Tausch Bestseller wird! Vielfalt scheint Ihnen ja ein sehr wichtiges Stichwort zu sein. Auf Ihrer Homepage sagen Sie, Trier sei „Vielfältiger und bunter geworden“. Nennen Sie uns doch einige Beispiele für ein buntes Trier.

Dr. Fred Konrad:

Als ich 1979 gerade 18 Jahre alt geworden bin, hatten wir alle den Wunsch, etwas von der Welt zu sehen und möglichst schnell von Trier weg zu kommen. Die Stadt war sehr konservativ geprägt, da durfte man nicht alles denken und nicht alles sagen. Die Kultur, die hier gemacht wurde, war eine Kultur des 19. Jahrhunderts. Eine Kulturszene abseits der öffentlich geförderten Kultur gab es fast nicht. Mit dem Astarix, der TUFA, der Miez und dem Ex Haus hat sich dann alles ein wenig verändert, das erste Mal wurde auch ein Studentenleben wirklich erfahrbar. Heute gibt es viele Plätze, wo man Menschen einfach so treffen kann. Das ist alles ganz selbstverständlich. Wenn man heute mal einen Abend nach Trier fährt und eine schöne Veranstaltung besuchen möchte, findet man ganz sicher etwas!

Kulturkarawane:

Welche Akteure z.B. Bürgerinitiativen oder Institutionen sind denn ihrer Meinung nach an einem bunten Trier beteiligt?

Dr. Fred Konrad:

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich Ihnen das nicht beantworten kann, weil ich dafür in Trier noch nicht präsent genug bin.

Kulturkarawane:

Wir wollen mit Ihnen träumen... Sie werden unser neuer Oberbürgermeister. Wie wird denn Trier mit Ihnen noch bunter werden?

Dr. Fred Konrad:

Ich glaube, dass Trier durchaus noch Entwicklungschancen hat mehr Raum zu schaffen, um ein städtisches Leben auch zu zulassen. Indem man freie Plätze wie zum Beispiel diesen Platz (Anmerkung der Redaktion: Urban Place) bestehen lässt und nicht alles zumacht. Zum anderen, indem man die Randbereiche der Innenstadt für die Wohnbetreuung nochmal erschließt, eine Mischung zwischen Wohnbebauung und offenen Plätzen schafft. Generationen übergreifend müssen solche Konzepte sein. Zwischen 20 und 40 Jahren ist man ja immer mehr eingespannt, es sind oft ältere Leute die jetzt die Zeit haben, kreativ sind und sich auch gerne ehrenamtlich einbringen. Das sind die Menschen ab 60 Jahren, die Kurse und Workshops besuchen, Musik machen oder sich einfach in einer Initiative engagieren. Ich glaube diese Menschen kann man auch für die freie Szene aktivieren und begeistern. (lacht). Die Rolling Stones sind ja schließlich noch älter!

Kulturkarawane:

Vor einigen Tagen sind nun nach einem spannenden und kreativen Beteiligungsprozess die Kulturleitlinien verabschiedet worden. Inwiefern haben sie den Beteiligungsprozess verfolgen können?

Dr. Fred Konrad:

Zur Zeit arbeite ich mich in solche Prozesse in der Stadt Trier ein und schaue mir an wie alles läuft. Ich finde Leitliniendiskussionen gut, um eine Positionsbestimmung zu machen. Jetzt allerdings geht es um die Umsetzung. Da sind oft wieder so viele Partikularinteressen im Spiel, dass nach den Leitlinien schnell keiner mehr fragt. Ich finde es aber sehr gut, dass ein solcher Prozess durch den Stadtrat geht und man sich auch dort damit beschäftigen muss, wofür kulturelles Leben eigentlich gut ist. Ich habe den Eindruck, Trier hat an „Stadt Sein“ dazu gewonnen. Ob jetzt die Kulturleitlinien von jedem Kulturschaffenden zum Morgengebet rezitiert werden müssen, sei dahingestellt. Aber es hat zur Folge, dass man sagen kann: Wir haben uns darüber geeinigt, dass Kultur zum Stadtleben gehört. Nicht nur Kultur im Theater oder dem Trierer Dom sondern kulturelles Leben als Gemeinschaftsaufgabe.

Kulturkarawane:

Welche Rolle wird, sehen wir einmal von der wichtigen Frage nach der Zukunft des Theaters Trier ab, das Thema Kunst- und Kultur denn in ihrem Wahlkampf spielen?

Dr. Fred Konrad:

Die Kultur ist eine von vielen Baustellen. Kultur ist für eine Stadt wie Trier - gerade auch in ihrer Außenwirkung – unglaublich wichtig. Ich glaube, man muss Kultur aber auch immer mit anderen Dingen zusammen denken. Das fängt bei mir in der Schule an. Da die Grundschule in unserer Gesellschaft die einzige Stelle ist, wo alle Leute eines Stadtteils zusammen kommen müssen. Ich sehe die Schule als zentralen, kulturellen Raum, in dem jeder Mensch ohne Ansehen der Herkunft oder anderer prägender Dinge erst mal angenommen werden muss. Schule ist auch eine wichtige Quelle der Freizeitgestaltung und ich glaube das Kultur hier schon in die Stadtteile hineingedacht werden muss. Schulen haben da eine sehr wichtige Funktion. Große kulturelle Ereignisse braucht man natürlich auch. Da muss man allerdings auch in die Großregion schauen. Luxemburg, Koblenz, Saarbrücken und Kaiserslautern bieten zum Beispiel auch hervorragende Musik und Theater Veranstaltungen. Hier muss natürlich von Seiten der Stadt eine Verkehrs- und Kommunikationsinfrastruktur geschaffen werden, damit solche Ereignisse wahrgenommen und besucht werden können.

Kulturkarawane:

Als wie wichtig betrachten sie denn eine freie Kunst- und Kulturszene in Trier?

Dr. Fred Konrad:

Ich sehe den Abstand zwischen freier Szene und öffentlich geförderter Szene zumindest auf der Nachfrageseite als gar nicht mehr so groß an. Auch in der sogenannten freien Kulturszene sind viele Leute im Publikum, die zwar, so wie ich, als Studentinnen und Studenten ohne Geld angefangen haben, aber jetzt auch schon ein Finanzierungspotenzial bieten. Die legen auch einmal ein paar Euro auf den Tisch um sich ein schönes Jazzkonzert anzuhören und nicht nur in die Oper zu gehen. Sicherlich ist in der „Theatergemeinde“ auch von Seiten der Zuschauer mehr Finanzkraft vorhanden, um diese Kultur mit zu finanzieren. Es ist aber auch der Kulturbereich, der mit Abstand am teuersten ist. Ich will keine Kultur, die komplett abhängig davon ist, dass sie sich kommerziell am Markt behauptet. Das ist sehr arme Kultur. Deshalb muss es natürlich für diesen Bereich eine fest zugesagte Förderung geben. Genau so muss es aber einen Topf geben, der die freie Kulturszene unterstützt und erhält.

Kulturkarawane:

Trier besteht Ihrer Meinung nach „nicht zu allererst aus Gebäuden und toten Steinen“. Wird dies denn auch von  städtischer Seite ausreichend kommuniziert?

Dr. Fred Konrad:

Das Image von Trier als älteste Stadt Deutschlands deckt natürlich so ziemlich alles zu. Dieses Image darf man auch nicht vernachlässigen, weil es ja auch dafür sorgt, dass man in Trier einiges erhalten kann. Und dafür muss sich auch die Landesebene mit zuständig fühlen. Was man auf jeden Fall stärker pflegen sollte, ist das Image von Universität und Fachhochschule oder vieler Start Up Unternehmen. Es sollte gezeigt werden, in dieser Stadt entwickelt sich etwas, da ist richtig was los, da ist nichts statisch und steht einfach nur so da. Für mich ist es erst einmal die Frage: Ist ein Problem bekannt, und bringt die Gruppe, die es persönlich betrifft sich auch politisch ein? Man kann ja nicht jeden zu seinem Glück tragen. Dann müsste man schauen inwiefern die Stadt eine Plattform bieten kann. Menschen statt Steine wäre etwas abgedroschen. Aber aus den alten Steinen, da sollte sich viel Neues entwickeln, wachsen und pulsieren!

Kulturkarawane:

Münster ist Studenten- und Fahrradstadt, Berlin ist Mekka für junge Kreative und Unternehmer, Freiburg ist einfach cool und Trier ist....?

Dr. Fred Konrad:

...Quant!!

Kulturkarawane:

Danke für dieses spannende Gespräch! Erinnern sie sich noch an die erste Liebe und den "Willst du mit mir gehen? Zettel" Mögliche Antworten "Ja, Nein, Vielleicht". Vielleicht wollen wir ja mit Ihnen durch die nächste Legislaturperiode gehen. Allerdings hätten wir da noch ein paar Fragen:

Werden Sie als Oberbürgermeister die freie Kunst- und Kulturszene gleichberechtigt zu den etablierten Institutionen unterstützen und fördern?

Dr. Fred Konrad:

Ja

Kulturkarawane:

Werden Sie sich als Bürgermeister aktiv dafür einsetzen, die freie Szene stärker im Innen- und Außenmarketing der Stadt Trier zu positionieren?

Dr. Fred Konrad:

Ja

Kulturkarawane:

Wird Trier in Ihrer Legislaturperiode von der Stadt um die Porta auch wieder zur Stadt am Fluss werden?

Dr. Fred Konrad

Vielleicht. Wenn ich wiedergewählt werde. Dafür braucht man mindestens 16 Jahre.

Kulturkarawane:

Werden Sie weiterhin die Zeit haben im Madrigalchor zu singen?

Dr. Fred Konrad:

Ja

 

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